WORPSWEDE

Vor einigen Jahren ergab sich die Möglichkeit eine Ballonfahrt ab Worpswede, durchzuführen. Da diese Fahrt nicht nur für die Gäste ein einmaliges Erlebnis war, sondern auch mich als Piloten mehr als faszinierte, bot sich hieraus eine Regelmäßigkeit ergeben.
Nun möchte ich schon einmal in Gedanken an dieser Einmaligkeit teilhaben lassen: Stellen sie sich in Gedanken den Schimmelreiter vor, wie er reitet durch Nacht und Wind. Hier könnte er zu Hause sein: Moor, Birkenwälder, grüne Moorweiden, Flüsse, Moorseen eben das Teufelsmoor. An dessen Rand finden wir Worpswede. Geografisch befindet es sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bremen, gehört jedoch zu dem niedersächsischen Landkreis Osterholz-Scharmbeck. Überregional bekannt ist es als Künstlerkolonie; eng verwandt mit dem Namen Paula Becker Modersohn, Heinrich Vogler.
Aber nicht nur Worpswede ist ein Spaziergang wert. Am Boden sollten sie die Umgebung mit den kleinen schwarzen Torfkähnen mit braunen Segeln, die af der Hamme fahren oder dem legendären Moorexpress oder per Pedes erkunden. Irgendwann gelangen sie so auf birkengesäumten Alleen über Lilienthal an den Rand des Weyerberges zu dessen Füßen der Ballonstartplatz liegt.

Ab hier geht es auf zur Erkundung aus der Luft: Aus dem satten Grün der Moorweiden erhebt sich die mit Luft gefüllte gigantische Stoffblase. An Bord des Weidenkorbes trifft der Pilot die letzten Vorbereitungen, die Passagiere gehen an Bord. Und ab jetzt bestimmt der Wind die Geschwindigkeit und die Richtung. Ganz nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel! Eine schnelle Fahrt führte uns zum Beispiel in zwei Stunden von Worpswede über Rotenburg Wümme bis nach Soltau in die Lüneburger Heide. Hierbei bestaunen wir unter uns das ganze Teufelsmoor mit seiner einzigartigen Welt, die Skyline von Bremen mit ihren Kupfernen Dächern, sowie die Nordseeküste.
Ein anderesmal geht es wieder etwas gemütlicher zu und können ganz in Ruhe die Flora und Fauna dieser einzigartigen Landschaft bestaunen, Rehe, Fuchs und Dachs sind fast zum greifen nah. Aber eben nur fast, denn aus Gründen des Naturschutzes überfahren wir dieses Gebiet in ausreichender Höhe. Inmitten dieses satten Grüns hat die Erde sie dann wieder; und hier erwartet sie der krönende Abschluss. Doch vorher wird der Ballon noch in das mittlerweile angekommene Verfolgerfahrzeug verpackt. Wenn alles gut geklappt hat, hat dieses Fahrzeug auch alle unten gebliebenen Freunde und Angehörige im Schlepp, die die Landung schon hautnah miterleben konnten.
Unter Zuhilfenahme des Feuers, welches uns in die Lüfte erhob, des Saftes (Sekt), den wir so lieben und natürlich der Erde, die uns wieder hat (ersatzweise kann auch Schnee genommen werden), werden die Erstfahrer in den Adelsstand der Ballonfahrer aufgenommen. Dadurch erhalten die Neu-Aeronauten sämtliche Lehen und Rechte der überfahrenen Ländereien, allerdings erst ab einer Höhe von 1.000 Fuß. (Allerdings sind die Rechte selber geltend zu machen). Anschließend warten noch zwei schwerwiegende Herausforderungen: Zum einen darf ab sofort nur noch vom „Ballonfahren“ gesprochen werden und zum anderen muss jeder Ballonfahrer seinen Adelstitel (z.B. «Mutiger Himmelsstürmer Hans-Peter weit blickender Luftikus im Ballon in luftigen Höhen zur Ballonfahrt über das Teufelsmoor») auswendig kennen. Sollte einer der Aeronauten seinen eigenen Adelstitel nicht binnen kurzer Zeit auswendig kennen oder sich sträflicherweise versprechen, so muss dieser künftig in Ballonfahrerkreisen eine Runde ausgeben. Als Erinnerung erhalten alle Passagiere eine Taufurkunde mit ihrem persönlichen Adelstitel. Am Landeplatz bietet ein kleiner Sektumtrunk Gelegenheit die gesammelten Eindrücke und Erlebnisse noch einmal Revue passieren zu lassen und sich mit allen Mitfahrern und Verfolgern. Die das ganze ja aus einer ganz anderen Perspektive erlebt haben auszutauschen.





zurück zur Startseite
zurück zu Kurz & Knapp



Wind
Zell am See

© 2011 Ballonfahrten Dunker Müller